Unternehmenskrise in Deutschland: Eine Analyse für das Handwerk
Wirtschaft im Wandel: Der große Insolvenz-Report für Deutschland (2021-2025)
Besonders im Handwerk und im produzierenden Mittelstand ist die Verunsicherung spürbar. Während staatliche Hilfen die Zahlen lange Zeit künstlich stabil hielten, zeigt die Realität im Jahr 2025 ein anderes Bild: Die Insolvenzwelle hat ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.
Abbildung: Trendwende der Firmeninsolvenzen über den 5-Jahres-Zeitraum.
Zahlen und Fakten: Die Entwicklung der letzten 5 Jahre
Hinter jeder Insolvenz stehen Schicksale und Arbeitsplätze. Die folgende Übersicht verdeutlicht die Dynamik der letzten Jahre, insbesondere den drastischen Anstieg seit 2023.
| Berichtsjahr | Insolvenzfälle | Betroffene Stellen | Gläubigerschaden |
|---|---|---|---|
| 2021 | 13.993 | 145.000 | 48,3 Mrd. € |
| 2022 | 14.590 | 175.000 | 32,5 Mrd. € |
| 2023 | 17.814 | 205.000 | 35,0 Mrd. € |
| 2024 | 21.964 | 320.000 | 45,6 Mrd. € |
| 2025 | 23.900 | 285.000 | 57,0 Mrd. € |
Der Tages-Durchschnitt: Aktuell verzeichnet die deutsche Wirtschaft ca. 65 Unternehmensschließungen pro Tag aufgrund von Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung.
Wer ist betroffen? Gruppierung nach Betriebsgröße
Besonders Kleinst- und Handwerksbetriebe stehen im Fokus der Statistik:
- Kleinstbetriebe: Über 80 % der Insolvenzen entfallen auf Firmen mit weniger als 10 Mitarbeitern.
- Mittelstand: Hier ist die Quote stabil, doch die Einzelschäden pro Insolvenz steigen.
- Industrie: Große Ketten und Kliniken waren 2025 vermehrt betroffen.
Unternehmensalter und Risikofaktoren
Ein gefährlicher Trugschluss ist, dass nur junge Firmen scheitern. Tatsächlich sind 40 % der insolventen Betriebe „alte Hasen“, die seit mehr als 8 Jahren am Markt waren. Oft scheitern diese an der fehlenden Nachfolge oder verschleppten Modernisierungen.
Sorgenkinder der Wirtschaft: Branchen im Vergleich
- Logistik & Transport: Hoher Kostendruck und Personalnot.
- Baugewerbe & Handwerk: Zinssteigerungen führten zu einem massiven Auftragsrückgang.
- Gastgewerbe: Inflation und Energiekosten drücken die Margen gegen Null.
Regionale Unterschiede: Wo brennt es am meisten?
Die Insolvenzquote gibt an, wie viele von 10.000 Firmen pro Bundesland pleitegehen.
| Region | Quote (pro 10.000) | Lagebewertung |
|---|---|---|
| Berlin | 130 | Kritisch |
| NRW | 92 | Ansteigend |
| Bayern | 62 | Moderat |
| Thüringen | 48 | Stabil |
Die Ursachen: Warum „kippen“ so viele Betriebe?
Es ist selten nur ein Grund. Meist ist es ein Mix aus:
- Zinskosten: Teure Finanzierungen stoppen Investitionen.
- Energiepreise: Die Belastung für energieintensive Gewerbe bleibt extrem hoch.
- Bürokratie-Stau: Verwaltungspflichten fressen die Zeit für das eigentliche Handwerk.
- Kaufkraftverlust: Kunden halten ihr Geld bei hoher Inflation zusammen.
Wichtige Fragen zum Thema Insolvenz (FAQ)
Wann schließen die meisten Firmen?
Statistisch gesehen finden die meisten Abwicklungen im ersten und zweiten Quartal eines Jahres statt, wenn die Vorjahresabschlüsse die Schieflage offenbaren.
Welche Handwerksberufe sind besonders gefährdet?
Vor allem Berufe im Bauhauptgewerbe (Maurer, Dachdecker) sowie energieintensive Gewerbe wie Bäckereien stehen unter Druck.
Gibt es Anzeichen für eine Besserung?
Eine Entspannung wird erst mit sinkenden Leitzinsen und stabilen Energiepreisen für 2026/2027 prognostiziert.
